Zu Gast: Markus Walter von @allianz_de antwortet

Re-Aktion: Es dauerte nicht lange und Markus Walter, der ‚Social Media Communicator‘ der Allianz meldet sich bei mir. Zuerst erreicht mich sein Kommentar auf meinen letzten Beitrag, bei dem er, wie er selbst sagt, „nicht allzu gut wegkam“. Stimmt. Wir telefonieren. Er möchte gern seine Sicht der Dinge in einem Gastbeitrag darlegen. Diesem Wunsch komme ich nun nach. Schließlich habe ich zum Gespräch ‚geladen‘.

Markus Walter: Montag früh. Auf dem Bildschirm flimmert netvibes, ein Monitoring-Tool. Es hilft mir, den Überblick zu behalten, was im Netz über meinen Arbeitgeber gesprochen wird. Sehr viel Fußball ist dabei – wie nach jedem Wochenende. Schließlich trägt ein großes Stadion unseren Namen. In zahlreichen Presseartikeln wird das Unternehmen erwähnt, einige Kunden haben via Twitter und Co. Kontakt mit uns aufgenommen. Business as usual. Part of the job. Aber dann diese Headline: „Storytelling 2.0: Die Allianz zeigt auf @allianz_de, wie es nicht geht“. Puh. Das muss ich mir gleich näher ansehen.

Markus Walter - Social Media Communicator Allianz Deutschland

Markus Walter – Social Media Communicator
Allianz Deutschland

Aber vielleicht sollte ich mich erstmal vorstellen: Mein Name ist Markus Walter, ich bin Ende dreißig und seit über fünf Jahren in der Abteilung Unternehmenskommunikation für die Internetaktivitäten der Allianz Deutschland AG verantwortlich. Dazu gehört die Unternehmenswebsite, das oben beschriebene Web 2.0-Monitoring – und seit 2009 auch der Twitter Account @allianz_de, damals der erste Vorstoß des Unternehmens in die Sozialen Medien. Inzwischen sind wir auf vielen Web 2.0 Plattformen vertreten, neben uns Kommunikatoren sind besonders Kollegen aus Marketing und Vertrieb sowie dem Bereich Human Resources im Netz aktiv.

Und genau an diesem Punkt wird es etwas komplizierter – wenn man, zum Beispiel als am Thema Mediennutzung Interessierter, sich den ganz großen Überblick über alle unserer Social Media Aktivitäten verschaffen will. Wir sprechen mit den verschiedenen Auftritten unterschiedliche Zielgruppen an. Zielgruppen, die sich manchmal überschneiden, oft aber spezielle Interessen verfolgen.* Mit dem Twitter Account @allianz_de spreche ich eine noch speziellere Zielgruppe an: In erster Linie Journalisten und andere Multiplikatoren. Menschen, die sich oft schon lange und intensiv mit der Versicherungsbranche beziehungsweise dem Unternehmen auseinandersetzen. Mein Ziel ist es, ihnen auf kürzestem Raum einen kleinen Vorgeschmack auf interessante Themen zu geben. Wenn „Link-Schleuder“ der richtige Begriff dafür sein sollte, nehme ich’s positiv. Denn ich halte Twitter in der Tat für eine großartige Plattform zur schnellen Information, zum Anteasern, vergleichbar einem Nachrichtenticker.

Wichtig ist mir dabei – und ich bin in den vergangenen vier Jahren auch sehr gut damit gefahren – klar zu kommunizieren, dass ein Mensch hinter den Tweets steckt. Einer mit eigenem Namen und Portraitfoto. Einer von rund 30.000 Mitarbeitern des Unternehmens (allein in Deutschland). Einer, der persönlich und oft sehr spontan (das Netz ist ein schnelles Medium) auswählt, was er twittert oder auch auf Facebook, Google+, XING etc. postet. Einer, der nicht immer perfekt ist, aber stets versucht, sein Bestes zu geben. Einer, der ansprechbar ist – aber zwischendrin auch mal schlafen muss, krank ist, in Urlaub fährt.

Einer, der – logisch! – von seinem Arbeitgeber für diese Tätigkeit bezahlt wird.

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass wir auf unseren Social Media Accounts den lieben langen Tag Werbebotschaften versenden und hoffen, dass wir auf diesem Weg Versicherungen verkaufen? Nein, das wäre doch zu einfach gedacht – und höchst kontraproduktiv: Nerven wir jemanden oder erscheinen ihm irrelevant, fliegen wir ganz schnell aus seinem Blickfeld. Wir verlieren ihn als Follower oder Fan. Das Tolle an Social Media ist ja: Keiner muss lesen, was ihn nicht interessiert.

Unsere Währung lautet vielmehr: Interessanz (sorry, das ist ein waschechter Netz-Neologismus – meines Erachtens aber ein ganz sinnvoller). Wenn wir es am Ende des Tages schaffen, einen positiven Eindruck zu hinterlassen (die Leute, die solche Wörter wie ‚Interessanz‘ erfinden, sagen dazu: „Auf die Marke einzahlen“), haben wir unseren Job gut gemacht.

Der Montagmorgen, um den Kreis zu schließen, entpuppte sich letztlich als guter Start in die Woche: Ein neu entdeckter interessanter Blog (hey, ich habe selber mehrere Jahre lang privat gebloggt – aber das gehört jetzt nicht hierher), ein nettes Telefonat mit dessen Betreiberin. Auch ein bisserl ungeplante Arbeit – mit diesem Gastbeitrag hier. Und, ja, doch, zuerst auch eine gewisse Prise Ärger angesichts der Tatsache, dass wir nicht bereits vor dem ursprünglichen Blogposting ins Gespräch gekommen sind. Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme gibt es doch zum Glück genug. Und genau darum geht es ja im Web 2.0: Dass wir miteinander sprechen.

Nun aber – soviel zum Menschen hinter dem Job 😉 – verabschiede ich mich für einige Wochen in Elternzeit. Ich freue mich schon sehr auf die Zeit mit meiner zweiten Tochter. Es gibt schließlich noch ein Leben außerhalb des Netzes – eines, über das ich hier nie in die Tiefe gehen werde. Und meines Erachtens auch nicht muss, um als Unternehmensvertreter authentisch, greifbar zu sein. Genau hier beginnt meine private Firewall. Bis bald!

Markus Walter

Was ich lerne: Manches ist mehr Sache der Perspektive denn der Einstellung. Dennoch bleiben Fragen offen. Generelle Fragen. Weil man über Abwesende (und Elternzeit ist Abwesenheit) nicht laut spricht, möchte ich mich bei Markus Walter für seine ‚Dialogbereitschaft‘ bedanken und mich verabschieden. Meine ganz persönliche Quintessenz werde ich noch ergänzen. Das letzte Wort eben! 😉 Denkanstößiges nach Aufgeregtem, denn: „Wer ist eigentlich angesprochen, wenn der Pressesprecher twittert?“ hier…

* An dieser Stelle habe ich mir zu kürzen erlaubt. Ich denke, die anderen supertollen Social Media Angebote der Allianz findet Ihr auch so… 😉
6 Kommentare
  1. theomix sagte:

    Find ich sehr gut. Aus einem kritischen Beitrag entwickelt sich ein Gespräch. Die Elternzeit bringt eine Unterbrechung, nun gut. Für mich Leser jedenfalls sehr anregend!

    • Hallo theomix,

      na das freut mich! Obwohl mir anfangs ein ‚Gespräch mit…‘ lieber gewesen wäre, finde ich diesen Gastbeitrag inzwischen eine faire Lösung. Es ist schon eine gute Portion ‚Websprech‘ dabei und die wird wohl schwierig zu umschiffen sein. Ferner denke ich auch, dass Markus Walter nicht alles erklären können muss, was die Branche momentan so verzapft. Im Gegenteil, ich weiß ’seine Sicht der Dinge‘ zu schätzen und auch, dass er sich gleich und mit Mühe zurückgemeldet hat. Ich finde auch gut, dass jemand sagt ‚Ich bin jetzt mal weg…‘. Da sind doch die Prioritäten richtig gesetzt! 😉
      Sonnige Grüße
      Franziska

    • 😉 Werde aber mit ganz, ganz wenig Emphase rangehen. Sachlich, generalisierend und so. Möchte ja keinen Troll-Orden! Außerdem: Genug aufgeregt, da kann von mir auch mal ein konstruktiver Gedanke kommen. Ein Blumentopf ist geschmissen und eine Tür geknallt, jetzt wird aufgeräumt…

  2. ACR sagte:

    Zugegeben, „sowas“ lesen, ist für mich eine grosse Ausnahme, die ich seit langer Zeit nun mal auf Deiner Seite gemacht habe und es nicht bereue. Danke.
    Dennoch:
    Das mit dem- einen guten Eindruck hinterlassen- ich empfinde auch gute Lügen als Beleidigung und wende mich ab. Dem folgend schaue ich kaum Werbung, lese sehr wenigen Usern tatsächlich immer und habe noch andere, ganz subjektive Regularien für mich.

    Vieles kaufe ich nicht, weil mir gerade der, an schütterem Haar, herbeigezogene „gute Eindruck“ auf die Nerven geht.

    Bin auf Dein letztes Wort gespannt …

    Beste Grüsse
    charlotte (ACR)

    • Liebe Charlotte,

      schön, dass Du ‚trotzdem‘ vorbei schaust. Freut mich wirklich! Denn ich weiß, mit Social Media drifte ich so ein bisschen ab. Der Blog ist eben so, wie meine Interessen – querbeet.
      Was Du zum Thema ‚Fadenschein‘ sagst, kann ich nur allzu gut verstehen. Behaglichkeit verstehe ich auch anders. Hier habe ich mich dafür entschieden, zwei Darstellungen der selben Sache für sich sprechen zu lassen. Denn auch mit meiner recht neutralen weil generalisierenden Quintessenz bleibt hoffentlich genügend Spielraum zum Selberdenken. Mein großes Anliegen war es erstmal, nicht einfach hinzunehmen und vorbeifließen zu lassen. Konsequenzen zieht letztlich jeder für sich selbst – ich, ein Gast, eine Leserin. Weißt Du, weniger aggressive Kritik ist mir am liebsten, weil manchmal auch am wirksamsten. So kann doch ein beiläufiges ‚Soso‘ manchmal mehr bewirken als ewige Vorwürfe. An den Grenzen des Logos wird die Aisthesis auf den Plan gerufen. Ich entschied mich fürs ‚Umschreiben‘.
      Letztlich entscheidet jeder selbst, welchen Eindruck er wie hinterlassen MÖCHTE. Das akzeptiere ich wohl. Doch – wie ich mit meinem ‚letzten Wort‘ zu zeigen versucht habe – was einer hinterlässt, entscheidet er eben nicht allein… 😉

      Wohlanständig grüßt
      Franziska

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