Warum ich Sie duze

Die Frage, wie ich Sie im druckstelle Online-Interview ansprechen soll, ist noch nicht ganz entschieden. Bislang hielt ich es für lesbarer, Sie zu duzen. Ganz wohl ist mir dabei nicht. Meine Lösung: Das gesiezte Du.

Duzen oder Siezen? Soll ich Du oder Sie sagen? Darf ich Sie duzen?

„Guten Tag Frau druckstelle! Darf ich Sie… ähm… Dich… ähm…“ (Foto: druckstelle)

Das epigenetische Sie
Anfangs versuchte ich mich an monströsen Du/Sie-Konstruktionen. Das war nix – echte Herausforderungen fürs Auge. Dann lieber ein generelles Du. Oder doch ein Sie, weil es sich eben so gehört? Im Netz soll agiert werden wie im Leben. Sollte heißen: Höflich ist, Fremde zu siezen. So handhabe ich es, seit meine Erziehung erste Früchte trug. „Grüß die Leute!“ und „Mach keine Schulden!“ übrigens auch. Doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein ‚Sie‘ eine Situation unnötig versteifen kann. Stockfisch möchte ich hier aber nicht sein.


Das anständige Du

Freunde duze ich. Das von mir stets groß geschriebene ‚Du‘ ist mithin Ausdruck höchsten Respekts und mitnichten Zeichen ungehobelter Netzromantik. ‚Du Frau Meier‘ als Mischung zwischen einer Ansprache per Nachname und einem respektvollen Du adaptiere ich zu gern aus dem Angelsächsischen. Und dann sind da ja noch die vielen Synonyme: Frau druckstelle, darf ich Sie bitten… Merkwürdig. Entscheide ich mich für ein Du, ist es mir kurz danach schon unangenehm. Reue macht sich breit. Teufelszeug!

Mein gesieztes Du
Worum geht es mir nun im druckstelle blog? Um Persönlichkeiten hinter dem Buch(-projekt). Ich möchte nichts kaufen oder verkaufen, ich möchte Menschen vorstellen und dabei kennenlernen. Viel Privates scheint auf, es geht um authentische Autorinnen und Autoren. Die logische Folge daraus ist für mich, Sie auch im Interview zu duzen. Mein Du setzt das Sie bereits voraus – ein Meta-Du also!

Antidot
Kurzum, wer sich an meinem gesiezten Du stört, der interveniere bitte. Nein, ich möchte nicht kuscheln. Ich möchte damit niemandem zu nahe treten. Mein Du ist ein durch und durch respektvolles und mein Sie kein fadenscheiniges. Am liebsten würde ich ein Dusie verwenden. Das erlaubt unsere Grammatik nur nicht und für Extravaganz möchte ich auch keine Nominierung. Solange ich nicht wirklich tapfer und standhaft mein Du verteidigen kann, oszilliere ich fröhlich zwischen den Varianten.

Was meinst Du ;o) meinen Sie: Du oder Sie?

23 Kommentare
  1. Ich bleibe auch mit Sicherheit bei „Du“.. ganz egal wie viele kleine „dus“ mir um die Ohren fliegen.
    LG, Petra

  2. Ménard sagte:

    DUDUDUDUDUDUDUDU.
    Klingt auch irgendwie euphorischer.

      • Ménard sagte:

        Gefällt mir aber, das DU es hier mit allen klärst. Sehr schön…;-)

      • Es geht mir hier wie am Telefon: Wenn noch jemand was sagt, kann ich doch nicht einfach auflegen. ;o)

      • Ménard sagte:

        Ich lege gerne auf. Macht mir mehr Spaß als abzuheben.

  3. Ich meine, dass das Hauptaugenmerk auf Achtung und Respekt, die man sich entgegen bringt, liegen sollte. Dabei spielt es für mich nur eine untergeordnete Rolle, ob ich denjenigen sieze oder duze oder gesiezt/geduzt werde. Wenn Achtung und/oder Respekt auf einer oder beiden Seiten fehlen, ist es ebenfalls egal.

    Weissu?! ;o)

    • Ja, genau darum geht es mir. Doch könnte mein Geduze nicht auch als Respektlosigkeit aufgefasst werden? Das fürchte ich gerade und habe deshalb auch das Bedürfnis, mal in die Runde zu fragen. Wie man das Du meint, ist diesem ja nicht unbedingt anzusehen. Oder meint Ihr, ein freundlich-höflicher Kontext regelt das?

      • Wenn ich jemanden verbal anflegele, ist es vermutlich egal, ob ich ihn dabei duze oder sieze. Die Missachtung spricht dann aus jedem Wort. Ja, ich denke, der freundlich-höfliche Kontext stellt klar, ob es respektlos gemeint ist oder nicht.

        Zudem kommt es häufig darauf an, in welchem Umfeld jemand angesprochen wird. Es wäre tendenziell lächerlich, jemanden in einer „Dorf-Disse“ zu siezen. Duzt man aber in einer vornehmen Bar einen anderen, bisher unbekannten Gast, könnte das durchaus zu Missverständnissen oder gefühlter Missachtung führen.

        Vermutlich ist es wie so oft: Im Zweifel einfach fragen! ;o)

  4. Tach zusammen,

    ein Du darf es für mich schon sein. Aber ein großgeschriebenes Du sollte es dann auch schon sein, denn schließlich wurde ich als blinder Mensch im öffentlichen Leben doch schon zu oft mit einem du in durchaus kleinmütiger Absicht angesprochen!

    Liebe Grüße

    Christiane (Texthase Online)

  5. Ich mag im Leben nicht von jedem geduzt werden, aber ich denke, ein Du ist hier völlig in Ordnung, weil aus dem Internet-Umgang auf Blogs und Fb so gewohnt. Obwohl mir die „Dusie“- Schöpfung sehr gefällt. Ich hatte einst einen Professor, der stets im Gespräch mit seinen Studenten fröhlich zwischen Du und Sie hin- und her wechselte, oft im selben Satz. Irgendwie war das erfrischend liebenswert und hat nie jemanden gestört.

    • PS: Allerdings habe ich diese Eigenschaft prompt in einem Buch verwendet :-))

      • Darf ich fragen in welchem? Dusie ist übrigens freigegeben! ;o)

      • Im Aktuellen „Das Meer…“ 🙂

  6. Ich finde das ist immer eine schwierige Sache mit dem Dusie. Im realen Leben entscheide ich oft aus dem Bauch heraus. Manchmal kann man den Menschen ansehen was sie möchten oder erwarten und wenn ich ganz unsicher bin frage ich einfach: „Kann ich Sie duzen oder soll ich dich Siezen?“

    Im Internet wechsle ich zwischen Du und Sie hin und her. Mit anderen Bloggern halte ich im Du-Bereich Kontakt (wobei es auch da Ausnahmen gibt, das kommt auch immer auf den Auftritt des Bloggers an), bei Kunden wende ich je nachdem über welchen Kanal sie auf mich zukommen im Wechsel Du (im Satz auch Kleingeschrieben) und Sie an.

    Wenn ich den Autoren/Autorin eines Buches interviewen müsste, würde ich vermutlich zu Beginn auch siezen – falls ich mal als Autorin interviewt werde, würde ich mich mit einem Du vermutlich wohler fühlen. Wie du/Du schon feststelltest, eine schwierige Sache.

  7. Echt, hast Du schon mal gefragt: Soll ich dich siezen? Die Frage find ich toll! Offline fühle ich mich mit einem Sie meist auf der sicheren Seite. Je jünger, umso einfacher, denn Ältere sind ja so oder so zu siezen. Aber je älter ich werde, umso weniger greift dieses Modell! ;o) Unter Bloggern: Merkwürdigerweise fühle ich mich wohler, wenn ich geduzt werde, fange aber meistens mit dem Sie an. Ergo: Überall lauert die Dusie-Ambivalenz! Aber schön zu hören, dass es Euch (!) genauso schwer fällt!

    • Ja, aber das ist schon eine Weile her. 😀
      Viel bekommt man ja auch immer über die Stimmungsschiene mit. Leute die darauf bestehen gesiezt zu werden, kommen mir ohnehin ein wenig „verschlossener“ vor. Das ist nicht unbedingt im negativen Sinne gemeint, sie verhalten sich einfach anders. Jemand der locker flockig auf mich zuspringt (das geht auch online, viele Smileys, generell lockere Wortwahlt etc.) den duze ich dann doch automatisch.

  8. acrprivat sagte:

    Früher bin ich stur beim Sie geblieben, bis mich die ständigen Hinweise, im Internet sei das unüblich, gelangweilt haben; brachte mich das doch jedesmal in Erklärungszwang. Ich hatte schon ein kleines Textmodul geschrieben und fügte es an passender Stelle nur noch ein. Allerdings entstanden dadurch so stocksteife Unterhaltunge, dass die auch sein gelassen werden konnten. Danach praktizierte ich das strikte Vermeiden jedweder Anrede. Na das war anstrengend und auch keine Lockerungsübung. Inzwischen bin ich so frei: Schreibt jemand Du- ist es fein- bevorzugt jemand das Sie ist es auch gut.

    Wem wer sagt ist nicht so wichtig- wie – was gesagt wird.

    Somit grüsse ich in die Dusie Runde

    ACR

  9. Hallo Frau Kümmerling,

    „Ganz wohl ist mir dabei nicht“, schreiben Sie in Ihrer Einleitung. Und das ist doch zunächst einmal der entscheidende Punkt. Wie gut kann ein Interview werden, wenn Sie sich nicht wohl fühlen?

    Ich habe selbst bereits zahlreiche Interviews geführt. Das Problem stellt sich mir inzwischen nicht mehr. Das eigene Gefühl sagt einem meist recht genau ob ein „Du“ oder ein „Sie“ angemessen ist. Und dann ist da ja auch immer noch der Interviewpartner. Auch dieser hat ein persönliches „Wohlgefühl“ für die ihm angemessen erscheinende Anrede. Man spricht das Thema einfach mal kurz an, klärt es gemeinsam und damit ist es dann auch „aus dem Kopf“ 🙂

    Beste Grüße
    Klaus Wenderoth
    EuropaDruck.com

    • Ich persönlich mag nicht gesiezt werden. Dann komme ich mir immer so alt vor. Bei der Anrede Frau Nachname ist ein Verweis auf meine Mutter nicht selten.
      Zudem hat Respekt in meinen Augen nicht viel mit der Anrede zu tun, sondern mit der Art wie ich ihn behandele. Notfalls komme ich auch auf Sie A******ch zurück, was dennoch nicht netter gemeint ist, als bei einem Du.
      Ich wurde sogar schon darauf hingewiesen, dass ich Menschen sieze, wenn sie mir unsympathisch sind. Jedoch von mir unbewusst geschah.
      Im übrigen, tolle Artikel die DuSie schreibsten. 😉

      • Hallo Kim!

        Na mit meiner Antwort hat es jetzt leider etwas gedauert, entschuldige bitte!
        Zur Sache: In manchen Situationen macht mich ein Sie auch gleich mal gefühlte 10 Jahre älter. Aber gut, liegt vielleicht auch daran, dass ich die 30 noch gar nicht überschritten habe(n will). Ich kann mich nämlich wirklich noch an den 30sten Geburtstag meiner Mutter erinnern (ja, damals im Osten war es normal, mit 18 Mutter zu werden). 😉 Andererseits gibt es auch Situationen, da passt mir das Du nicht – gerade wenn mir jemand gar nicht sympathisch ist, dies im Gespräch auch irgendwie deutlich wird und das Gegenüber damit ‚künstliche Nähe‘ herzaubern will. Gleiches in Restaurants, die auch Restaurants sein wollen. Noch verrückter wurde es, als ich letztens kontinuierlich mit Frau Dr. und gleichzeitig mit Franziska angeredet wurde. Hä? Ich musste nur schmunzeln und hab gleich an mein Dusie hier denken müssen…
        Hier im Netz fühle ich mich inzwischen mit einem Du immer wohler – nicht künstlich, sondern dem Medium geschuldet.

        Danke für das Kompliment!!! Das freut mich sehr!

        Herzlich grüßt
        Franziska

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